Die „Nouvelle Cuisine“ der Konzeption

Interview 21. Juni 2004


Mit den Autoren Eberhard Knödler-Bunte und Klaus Schmidbauer zur Neuerscheinung des Buches „Das Kommunikationskonzept – Konzepte entwickeln und bewerten“

 

Herr Schmidbauer, Herr Knödler-Bunte, Sie sprechen vom Kommunikationskonzept als dem Herzstück der PR. Ist das nicht zu hoch gegriffen?

Klaus Schmidbauer: Das Problem ist, dass in PR-Abteilungen oder den Abteilungen Unternehmenskommunikation kaum Konzepte entwickelt werden. Man ist mit Alltagsarbeit so zugeschüttet, dass sich die Beteiligten operativ von Maßnahme zu Maßnahme hangeln. Sie vergessen einen weiten Horizont aufzubauen und strategisch zu planen.
Heute haben wir es aber nicht mehr mit dem vertrauten Bauchladen der PR zu tun. Es geht vielmehr um Kommunikationsmanagement, um komplexe Probleme und integrierte Kommunikationsaufgaben – und da braucht es das weitreichende Kommunikationskonzept. Sonst ist das wie ein Schiff, das ohne Navigationsgerät über ein großes Meer segelt – und schnell auf einer Klippe endet.

Eberhard Knödler-Bunte: Ein gutes Kommunikationskonzept ist ein Prozess, in den viele verschiedene PR-Kompetenzen eingehen. Es setzt sich immer wieder kreativ mit der Realität auseinander, passt sich an und entwickelt sich weiter. Deshalb sind Konzeptionsmodelle nur Hilfs- und Denkmittel, die helfen, den eigenen Arbeitsprozess zu organisieren, und eben kein Schema, das man einfach anwendet.

Klaus Schmidbauer: Es ist ganz entscheidend, während der gesamten Kommunikation immer wieder konzeptionell die Elle anzulegen, um nachzumessen, ob man noch auf dem richtigen Kurs ist. Nur so ist es möglich, vernünftige Kommunikation zu betreiben. Dies ist ein Grundprinzip des Buches: Es erklärt nicht nur theoretisch, was ein Konzept ist, sondern zeigt auch praktisch, wie man das Konzept im Arbeitsalltag einsetzen und umsetzen kann.

An welchen Teilnehmerkreis richtet sich das Konzeptionsbuch? Ist der Kreis beschränkt auf den PR-Bereich?

Klaus Schmidbauer: Nein. Das alte isolierte Rechenkästchen der „PR“ gibt es so nicht mehr. Die einzelnen Kommunikationsdisziplinen greifen ineinander, so dass Synergien zwischen den einzelnen Bereichen entstehen.
Alle PR-Agenturen, mit denen ich zu tun habe, machen schon lange nicht mehr nur die klassische PR. Sie beziehen alles ein, was notwendig ist, um das Kommunikationsproblem des Kunden zu lösen. Und wenn das Sponsoring ist, wenn das Product Placement ist, wenn das Events sind, dann wird das integriert.

Eberhard Knödler-Bunte: Und diese neue, offene Auffassung ist auch das Grundmotiv des Buches. Deswegen sprechen wir nicht vom PR- sondern vom Kommunikationskonzept. Es ist für alle geschrieben, die Kommunikation zielgerichtet planen, ob als PR-Experte, als Werber oder als Marketing-Spezialist.

Klaus Schmidbauer: Meine Erfahrungswerte sagen mir, dass es in einigen Jahren nicht mehr primär um klassische Presse- und Öffentlichkeitsarbeit gehen wird, sondern um den Bereich Kommunikationsmanagement in vielen verschiedenen Ausprägungen.

Wo sehen Sie den Unterschied zu anderen Konzeptionsbüchern, die gegenwärtig auf dem Markt sind?

Klaus Schmidbauer: Ich behaupte: gute Kommunikation macht Spaß und gute Konzepte müssen inspirieren. Ein bisschen von diesem Gefühl vermittelt unser Buch. Es ist eben nicht staubtrocken, theoretisch und abgehoben, sondern ermutigt die Leute, die Ärmel hoch zu krempeln und selbst Konzepte zu schreiben.

Eberhard Knödler-Bunte: Um es in den Dimensionen des Kochens zu sagen: Unser Buch zum Kommunikationskonzept ist wie ein Kochbuch. Es beinhaltet Rezepte für Kommunikation, die man problemlos nachkochen kann – mit allen Zutaten und Regeln. Und das Ergebnis ist leicht und verdaulich. Aber Vorsicht! Was wir im Buch bieten, das ist nicht die alte Hausmannskost. Derjenige, der die traditionelle Küche der PR liebt, wird vielleicht sogar ein wenig irritiert gucken. Denn wir sehen uns da eher als „Nouvelle Cuisine“. Die Kommunikation steckt mitten in einem gewaltigen Veränderungsprozess und wir vollziehen mit diesem Buch diesen Prozess nach.

Klaus Schmidbauer: Viele Fachbücher zitieren umfassend. Wir zitieren so gut wie gar nicht. Weil wir eben nicht das Vergangene noch einmal wiedergeben, sondern an vielen Punkten weiterdenken und Anregungen geben wollen für das, was in den nächsten Jahren in der Kommunikation passieren könnte.

 

2017-07-19T09:58:00+00:00